Low Budget Recycling Van

Ich fand vor 3 Jahren nach längerer Suche mein fahrbares Zuhause in einem alten Krankenwagen des Katastrophenschutz. Ein ausgemustertes, älteres Modell des Ford Transit, was nächstes Jahr seine Oldtimerzulassung feiern darf. Es war in seinem Leben bis dahin noch nicht soviel herumgekommen, weswegen der Kilometerzähler erst bei 55 Tausend stand.

Als gelernte Krankenschwester passt ein Sanitätsautogganz gut zu mir. Mit meiner Kreativität aus vorhandenen Materialen machte ich mich auf den Weg den Wohnraum heimisch und praktisch zu gestalten. So ist die Inneneinrichtung zu 80 Prozent aus dem gebaut, was ich bereits irgendwie zur Verfügung hatte. Mein Bett ist mit seinen 1,70 mal 1,10 recht klein und besteht aus den Überbleibseln eines alten Regals. Es ist im hinteren Bereich quer eingebaut, sodass noch Platz zum “herumlaufen” da ist. Da ich meine Wohnung Stück für Stück aufgegeben habe, gab es natürlich einige vorhandene Ressourcen. Genau wie auch die Federkernmatraze, die ich lediglich gekürzt habe.

Eine alte Truhe gibt Stauraum für Utensilien die ich für Feuershows benötige und ein paar Weinkisten, die meine Tante wegwerfen wolte, zieren nun meinen Küchenbereich und beherbergen Olivenöl und Co. Mein Gewürzregal, was mir sehr wichtig ist, weil ich so gern koche, ist lediglich aus Holzresten zusammengebaut und hält zuverlässig seit dem ersten Tag. Wenn ich einen schönes Holzstück beim spazierengehen im Wald finde, dann nehme ich es mit. So sind schon einige Befestigungen für Regale entstanden, die nach und nach hinzugekommen sind. Dann sind da noch ein paar übriggebliebene Lenoliumleisten eines Freundes gewesen, die zu einer zweiten Etage über dem Bett geworden sind. Dies gibt mir mehr Stauraum für all den Kram, den ich so mit mir herumführe. Mein Vater wollte später eine alte Eichenkommode loswerden und nachdem ich sie eigendlich wegen ihres Gewichts abgelehnt hatte, musste ich feststellen, dass sie auf den Zentimeter genau in das Inventar passt. Bis heute dient es mir als “Schreibtisch” und dafür nehme ich die paar Kilo mehr sehr gern in Kauf.


Viel PS hat mein Wagen sowieso nicht (68 PS bei 2900 kg), der keinen Namen, aber dafür ein SUPI Kennzeichen hat. Aber durch seinen Hinterantrieb kommt er auch abseits von Teerstraßen an abgelegene, unwegsame Orte.
Ich lebe nun seit über 2 Jahren auf diesen 5 qm2 und kann mir ein anderes Leben gar nicht mehr vorstellen. Das meiste spielt sich eh draussen ab, und ich war schon immer ein Naturliebhaber und Sonnenfetischist.
Im Winter strebe ich wärmere Länder an. Spanien, Portual und aktuell Griechenland.
Mir gefällt die Unabhängigkeit, die mit diesem Lebensstil automatisch kommt. Der Druck, jeden Monat einen bestimmten 3stelligen Betrag für die Miete einer Wohnung aufzubringen schwindet. Es schenkt mir mehr Zeit für die eigene Entwicklung, um Natur und Mutter Erde mit meiner Hündin ausgiebig zu erforschen.
Auf meinem Beifahrersitz fährt mein Klappfahrrad mit.

Die Finanzierung gestaltet sich recht unkompliziert. In den Sommermonaten halte ich mich in Deutschland auf und arbeite vom Bus aus als Krankenschwester für einige Monate, um dann wieder unabhängig zu sein und zu reisen. Der Segen dieses Berufes ist ganz klar immer und überall einen Job zu bekommen. So habe ich bereits in den verschiedensten Ecken Deutschlands gearbeitet und freue mich auch immer wieder auf diese Zeit, wenn ich die Heimat noch besser kennenlernen kann.

Ich bin generell ein flexibler Mensch und bin gespannt, was für Wohnformen ich in diesem Leben sonst noch so erfahren werde. Für jetzt, kann ich mir nichts besseres vorstellen.

Gute Fahrt wünscht Lisa.